Ernst von Wildenbruch (geboren 1845 in Beirut, gestorben 1909 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller, Diplomat und Jurist. Er entstammte einer preußischen Offiziersfamilie – sein Vater, Ludwig von Wildenbruch, war preußischer Konsulgeneral im Osmanischen Reich. Aufgrund der diplomatischen Tätigkeit seines Vaters verbrachte Wildenbruch seine frühe Kindheit in Konstantinopel und kehrte 1857 nach Deutschland zurück. Nach dem Besuch des Französischen Gymnasiums in Berlin und des Pädagogiums in Halle studierte Wildenbruch ab 1863 Rechtswissenschaften an der Universität Berlin und trat 1866 als Einjährig-Freiwilliger in das preußische Heer ein, wo er am Deutschen Krieg teilnahm. Nach dem Staatsexamen 1870 trat er in den preußischen Justizdienst ein und wechselte 1876 in das Auswärtige Amt, wo er bis 1900 in diplomatischer und administrativer Funktion tätig war. arallel zu seiner Beamtenlaufbahn entwickelte sich Wildenbruch zu einem der bekanntesten Vertreter des nationalkonservativen historischen Dramas im späten 19. Jahrhundert. Literarisch trat er zunächst mit patriotischer Lyrik hervor, etwa im Band „Vionville“ (1874). Entscheidenden Erfolg erzielte er mit den Dramen „Die Karolinger“ (1882) und „Harold“ (1882), die durch ihre Verbindung von Geschichtspathos, Idealismus und vaterländischer Gesinnung typische Ausdrucksformen der wilhelminischen Literatur darstellen. Weitere wichtige Werke sind die Dramen „Der Menonit“ (1884), „Heinrich und Heinrichs Geschlecht“ (1895) sowie die Novellenbände „Novellen eines Diplomaten“ (1883) und „Der Astronom“ (1898). Wildenbruch war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, erhielt mehrfach den Schillerpreis (1884, 1896) und wurde 1897 in den Adelsstand erhoben. Obwohl sein Werk später wegen seines pathetisch-nationalen Stils an literarischer Bedeutung verlor, gilt er als zentrale Figur der wilhelminischen Literatur- und Kulturpolitik, die das Ideal des „deutschen Nationalgeistes“ literarisch zu repräsentieren suchte.