Julius August Ludwig Wegscheider (geboren 1771 in Küblingen bei Wolfenbüttel, gestorben 1849 in Halle an der Saale) war ein deutscher evangelischer Theologe und einer der führenden Vertreter des rationalistischen Protestantismus im frühen 19. Jahrhundert .
Wegscheider studierte ab 1790 Theologie und Philosophie an der Universität Helmstedt, insbesondere bei Heinrich Philipp Konrad Henke, einem Hauptvertreter der aufklärerischen Theologie. Nach seinem Examen arbeitete er zunächst als Hauslehrer in Braunschweig und habilitierte sich 1796 in Helmstedt. 1805 wurde er außerordentlicher Professor für Theologie an der Universität Rinteln, 1808 folgte er einem Ruf an die Universität Halle, wo er 1810 zum ordentlichen Professor für systematische Theologie ernannt wurde und bis zu seiner Emeritierung 1845 wirkte.
Wegscheider galt als einer der bedeutendsten Vertreter des rationalistischen Dogmenverständnisses, das die Vernunft als oberste Instanz theologischer Erkenntnis ansah. Sein Hauptwerk, „Institutiones Theologiae Christianae Dogmaticae“ (1815), wurde zu einem der einflussreichsten Lehrbücher der rationalistischen Theologie im deutschsprachigen Raum und prägte über Jahrzehnte die theologische Ausbildung an zahlreichen Universitäten.
Seine Position führte in der Zeit der Erweckungsbewegung zu scharfen Kontroversen: 1830 wurde gegen ihn ein kirchliches Disziplinarverfahren eingeleitet, das jedoch ohne Konsequenzen blieb. Trotz dieser Konflikte blieb Wegscheider eine prägende Figur des Protestantischen Rationalismus und beeinflusste nachfolgende Theologengenerationen durch seine systematisch-philosophische Herangehensweise an die christliche Dogmatik.