Egon Karl-Heinz Bahr (geboren 1922 in Treffur, gestorben 2015 in Berlin) war ein deutscher Politiker (SPD), Journalist und einer der wichtigsten Vordenker der sozialliberalen Ostpolitik. Nach journalistischen Tätigkeiten beim Tagesspiegel und als Chefkommentator des RIAS wurde er 1959 Presseattaché in Ghana. 1960 übernahm er die Leitung des Presse- und Informationsamtes des Landes Berlin und wurde Sprecher des Senats unter Willy Brandt.
Bahr trat 1956 in die SPD ein. Als enger Berater Brandts prägte er ab 1963 das Leitmotiv „Wandel durch Annäherung“ und bereitete als Leiter des Planungsstabs im Auswärtigen Amt (1966–1969) die neue Ostpolitik vor. Als Staatssekretär im Bundeskanzleramt (1969–1972) und Unterhändler in Moskau und Ost-Berlin war er maßgeblich an den Ostverträgen (Moskauer Vertrag, Warschauer Vertrag, Transitabkommen, Grundlagenvertrag) beteiligt. Von 1972 bis 1974 war er Bundesminister für besondere Aufgaben, anschließend bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Von 1972 bis 1990 gehörte Bahr dem Deutschen Bundestag an, davon 1976–1983 als direkt gewählter Abgeordneter in Schleswig-Holstein. Zudem war er 1976–1981 Bundesgeschäftsführer der SPD und bis 1991 Mitglied des SPD-Präsidiums. Ab 1980 leitete er im Bundestag den Unterausschuss für Abrüstung und Rüstungskontrolle. Von 1984 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg und Honorarprofessor ebendort.
Für seine Verdienste erhielt Bahr zahlreiche Auszeichnungen, u. a. das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland (1975), den Theodor-Heuss-Preis (1976), den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis (1982), die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin (2002), den Willy-Brandt-Preis (2007), den Göttinger Friedenspreis (2008) sowie den Kaiser-Otto-Preis (2013).
Egon Bahr gilt als „Architekt der Ostverträge“ und einer der einflussreichsten politischen Weggefährten Willy Brandts.