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Ernst Curtius

Emil du Bois-Reymond

Abgangszeugnis

Ort: Berlin

Datum: 20. Mai 1870

Artikelnummer: KKS202501311

400,00 €
Preis Differenzbesteuert n. § 25a UStG. inkl. 19% MwSt. - zzgl. Versand
Stk

Inhalt

Abgangszeugnis für den Philosophiestudenten Hermann Rüter, das von den Universitätsprofessoren Ernst Curtius und Emil du Bois-Reymond sowie vermutlich von Carl Lehnert unterzeichnet wurde.

Maße

Das Blatt misst ca. 36,0 x 22,5 cm.

Zustand

Die Schrift in brauner Tinte gut lesbar und erhalten. Der Bogen mittig horizontal gefalzt, gebräunt und griffspurig, blass stockfleckig, etwas angeschmutzt, in den Kanten bestoßen, hie zahlreiche Einrisse. Dem Alter entsprechend in ordnung.

Provenienz

Aus Berliner Privatbesitz.

Ernst Curtius (geboren 1814 in Lübeck, gestorben 1896 in Berlin) war ein deutscher Althistoriker, Archäologe und Philologe, der als Wegbereiter der wissenschaftlichen Archäologie und der deutschen Griechenlandforschung gilt. Curtius studierte ab 1834 an den Universitäten Bonn und Berlin Klassische Philologie und Alte Geschichte, unter anderem bei August Böckh und Karl Otfried Müller. Nach dem Abschluss begleitete er 1837 Müller auf eine Forschungsreise nach Griechenland, die für seine wissenschaftliche Entwicklung prägend wurde. Nach Müllers Tod setzte Curtius dessen Arbeiten zur Topographie Griechenlands fort. Ab 1844 wirkte Curtius als Lehrer des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (des späteren Kaisers Friedrich III.) und wurde 1856 außerordentlicher, 1859 ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Berlin, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Sein wissenschaftliches Hauptwerk ist die dreibändige „Griechische Geschichte“ (1857–1867), die zu den bedeutendsten Synthesen der klassischen Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts zählt. Curtius verband darin philologische Genauigkeit, historische Interpretation und anschauliche Darstellung zu einer neuen Form wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Von herausragender Bedeutung war Curtius’ Engagement für die Archäologie Griechenlands. Durch seine Initiative und diplomatische Tätigkeit wurde 1874 das deutsch-griechische Abkommen über die Ausgrabungen in Olympia geschlossen, das den Beginn systematischer deutscher Grabungen markierte. Unter seiner Leitung führte das Deutsche Archäologische Institut (DAI) von 1875 bis 1881 die Ausgrabungen in Olympia durch, die entscheidend zur Erforschung der griechischen Kunst und Kultur beitrugen. Curtius war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (seit 1858) und galt als eine zentrale Figur in der Institutionalisierung der klassischen Archäologie als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin.

Emil Heinrich du Bois-Reymond (geboren 1818 in berlin, gestorben 1896 ebenda) war ein deutscher Physiologe, Naturforscher und Wissenschaftstheoretiker, der als Mitbegründer der Elektrophysiologie und führender Vertreter des physikalisch-mechanistischen Naturverständnisses des 19. Jahrhunderts gilt. Du Bois-Reymond studierte ab 1838 an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin zunächst Theologie und Philosophie, wandte sich dann jedoch unter dem Einfluss von Johannes Müller der Naturwissenschaft und Medizin zu. 1840 begann er experimentelle Untersuchungen zur Elektrizität tierischer Gewebe, mit denen er die Grundlagen der modernen Elektrophysiologie legte. 1843 wurde er promoviert und habilitierte sich 1846 in Berlin für Physiologie. Von 1848 an war er als Professor an der Universität Berlin tätig, ab 1858 als ordentlicher Professor für Physiologie sowie als Direktor des Physiologischen Instituts, das er zu einem international anerkannten Zentrum experimenteller Forschung ausbaute. Seine mehrbändige Publikation „Untersuchungen über thierische Elektricität“ (1848–1884) gilt als grundlegendes Werk der neurophysiologischen Forschung. Du Bois-Reymond konnte darin die elektrische Natur der Nerven- und Muskeltätigkeit empirisch belegen und den Begriff des „Aktionsstroms“ prägen. Seine Arbeiten bildeten die Basis für die spätere Neurophysiologie und Elektrobiologie. Neben seiner experimentellen Forschung war du Bois-Reymond ein bedeutender Wissenschaftstheoretiker und Popularisator der Naturwissenschaften. In seinen programmatischen Reden, darunter „Über die Grenzen des Naturerkennens“ (1872), formulierte er die erkenntnistheoretischen Grenzen naturwissenschaftlicher Erklärung und prägte den Begriff des „Ignorabimus“ („Wir werden es niemals wissen“) für prinzipiell unerkennbare Naturphänomene. Er war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (seit 1851), deren Ständiger Sekretär er ab 1867 war, sowie Mitbegründer der Deutschen Physiologischen Gesellschaft. Durch seine organisatorische und rhetorische Wirkung prägte er maßgeblich die Wissenschaftskultur des Kaiserreichs.

Carl Ludwig Hermann Lehnert (geboren 1808 in Magdeburg, gestorben 1871 in Berlin) war ein deutscher Jurist und oberregierungsrat. Lehnert studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Bonn und Berlin. 1826 wurde er Mitglied des Corps Borussia Bon. Nach Abschluss des Studiums begann er seine juristische Laufbahn als Auskultator (1828) und Referendar (1830) im preußischen Justizdienst. Von 1834 bis 1836 war er an einer Kommission zur Untersuchung “hochverräterischer Verbindungen” tätig. Ab 1836 im Justizministerium als Hilfsarbeiter eingesetzt, 1842 zum Kammergerichtsrat ernannt. 1843 wechselte er in das Ministerium für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten, zeitgleich war er bis 1848 Universitätsrichter an der Friedrich‑Wilhelms‑Universität Berlin. 1849 bis zu seinem Tod 1871 fungierte Lehnert als kommissarischer Direktor der Medizinalabteilung im preußischen Staatsdienst. Im Jahr 1853 wurde er Direktor der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen, 1858 Direktor der Unterrichtsabteilung. 1861 erfolgte seine Ernennung zum Unterstaatssekretär, und 1865 wurde er Mitglied im Preußischen Staatsrat. Er wurde mit Auszeichnungen bedacht: Ernennung zum Geheimen Oberregierungsrat (1853) sowie die Ehrendoktorwürden der Medizinischen Fakultäten der Universitäten Berlin (1861) und Bonn (1868). Lehnerts Wirken fällt in eine Zeit massiver Reformen im preußischen Bildungs-, Justiz- und Gesundheitswesen. In seiner Rolle als hoher Verwaltungsbeamter im Kultus- und Medizinalbereich war er mitverantwortlich für die Organisation und Institutionalisierung von Gesundheits- und Lehrwesen im Königreich Preußen.

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