Ernst Curtius (geboren 1814 in Lübeck, gestorben 1896 in Berlin) war ein deutscher Althistoriker, Archäologe und Philologe, der als Wegbereiter der wissenschaftlichen Archäologie und der deutschen Griechenlandforschung gilt. Curtius studierte ab 1834 an den Universitäten Bonn und Berlin Klassische Philologie und Alte Geschichte, unter anderem bei August Böckh und Karl Otfried Müller. Nach dem Abschluss begleitete er 1837 Müller auf eine Forschungsreise nach Griechenland, die für seine wissenschaftliche Entwicklung prägend wurde. Nach Müllers Tod setzte Curtius dessen Arbeiten zur Topographie Griechenlands fort. Ab 1844 wirkte Curtius als Lehrer des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (des späteren Kaisers Friedrich III.) und wurde 1856 außerordentlicher, 1859 ordentlicher Professor für Alte Geschichte an der Universität Berlin, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Sein wissenschaftliches Hauptwerk ist die dreibändige „Griechische Geschichte“ (1857–1867), die zu den bedeutendsten Synthesen der klassischen Altertumswissenschaft des 19. Jahrhunderts zählt. Curtius verband darin philologische Genauigkeit, historische Interpretation und anschauliche Darstellung zu einer neuen Form wissenschaftlicher Geschichtsschreibung. Von herausragender Bedeutung war Curtius’ Engagement für die Archäologie Griechenlands. Durch seine Initiative und diplomatische Tätigkeit wurde 1874 das deutsch-griechische Abkommen über die Ausgrabungen in Olympia geschlossen, das den Beginn systematischer deutscher Grabungen markierte. Unter seiner Leitung führte das Deutsche Archäologische Institut (DAI) von 1875 bis 1881 die Ausgrabungen in Olympia durch, die entscheidend zur Erforschung der griechischen Kunst und Kultur beitrugen.
Curtius war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (seit 1858) und galt als eine zentrale Figur in der Institutionalisierung der klassischen Archäologie als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin.