Seine Wohlgebohren Herrn Oberlehrer Dr. Abraham Voß zu Kreuznach frey recto: Bonn, den 25ten Mai 1826 Ihr Brief, theurer Voß, und die Anfrage Ihrer verehrten Mutter, die Frage Ihrer Liebe, hätte gleich beantwortet werden sollen; und wäre es geworden, wenn ich nach dem Fall von Misso- lunghi meiner Selbst mächtig gewesen wäre. ich bin es nicht gewesen; und würde Ihnen auch jetzt noch nicht schreiben, wenn ich hoffen könnte binnen weniger Zeit es mehr zu werden. aber ich fühle mich vielmehr täglich mehr in einem Zustand wo, hätte ich nicht manches überstanden, ich glauben müßte wahnsinnig zu werden. Ich habe viel erlebt – mein Herz hat mit vollen Ströhmen geblutet; aber so gebrannt hat keine Wunde. Wohl dem Vater, der von der Welt geschieden ist ehe dies geschah! Herzlichen Dank für Ihre Einladung, bester Freund: - weiß Gott wie gern ich käme! aber ich lese täglich eine Stunde: es ist sehr gefährlich für den Fleiß der Studierenden wenn die Vorlesungen einmal ausgesezt werden: zumal auf 4 – 5 Tage: jetzt bin ich mit der Theilnahme sehr zufrieden, ich darf sie nicht selbst stören. In Gedanken bin ich bey Ihnen und Ihrer theuren Mutter – Sie beyde finden gewiß daß ich unrecht thäte zu kommen. Sehen wir uns…(in) den Ferien? Es läßt sich viel leichter sprechend als schreibend über das zu Ende k… Sie freundschaftlich mit mir berathen wollen. Ich hoffe, Sie geben des Vaters pf… Schriften gesammelt – wenigstens die einzelnen Aufsäze: und zwar so daß es klar werde w… es spröde Hoffahrt anstatt verdiente Anerkennung war welches ihn in die Fehden (?) trieb, die ihm so übel gedeutet worden sind. Dazu reichen Stücke aus einzelnen Briefen, aus dem Gött. Magazin u. s. w. als Einleitung. Ich gestehe Ihnen daß keiner von den drey Aufsäzen in Paulus Sammlung mir seiner würdig scheint. Ihnen liegt es ob über ihn zu reden wie ich es über meinen Vater gethan. Da aber jene drey aufgetreten waren, wollte ich vorläufig bis Sie sein Leben schreiben, die Feder nehmen und über Voßens Verdienste u. Größe schreiben. Ich verschob es wegen der Bearbeitung der neuen Ausgabe meines achten Theils: - und nun kann ich mich nicht sammeln. Meine Frau ist schwach und kränkelnd; aber Grimmigkeit des Übels hat für jetzt nachgelassen. Sie grüßt mit mir Ihre edle Mutter und Sie herzlich – dankt mit mir liebend der Mutter für Ihre Theilnahme. Gott segne Sie alle: - und erhalte Ihnen die liebe Mutter. Uns Nachgebliebenen liegt es ob uns als Angehörige fest aneinander zu schließen und zu halten – Sie haben dazu schon in meine Hand eingeschlagen. Schreiben Sie mir doch einmal Ihre Addresse, ich mache … aufs Gerathewohl. Was bedeutet bey Schlossers Rede der Zusaz wie sie gesprochen werden sollte? Warum ward sie es nicht? der Ihrige Niebuhr