Karl Theodor (geboren 1724 in Brüssel, gestorben 1799 in München) war Pfalzgraf bei Rhein und ab 1777 Kurfürst von Bayern aus dem Hause Pfalz-Sulzbach. Nach dem Aussterben der bayerischen Linie der Wittelsbacher vereinigte er die Kurpfalz und Bayern in Personalunion und prägte damit die Politik eines der bedeutendsten Territorien des Alten Reiches im späten 18. Jahrhundert.
Karl Theodor erhielt eine umfassende fürstliche Ausbildung, die neben Staatsrecht, Geschichte und Philosophie auch Naturwissenschaften und Kunst umfasste. Schon früh zeigte er ein ausgeprägtes Interesse an aufklärerischen Ideen, insbesondere an Wissenschaft, Medizin und Kulturförderung. Seit 1743 regierte er zunächst die Kurpfalz, wo er Mannheim zu einem wichtigen kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum ausbaute.
Besondere Bedeutung erlangte Karl Theodor als Mäzen der Wissenschaften. Er förderte die Akademien, gründete 1763 die Kurpfälzische Akademie der Wissenschaften, unterstützte medizinische und naturwissenschaftliche Forschung und trug maßgeblich zur Entwicklung Mannheims als Zentrum von Musik, Theater und Aufklärung bei. Auch in Bayern setzte er diese Kultur- und Wissenschaftspolitik fort, wenn auch unter schwierigeren politischen Rahmenbedingungen.
Seine Regierungszeit war außenpolitisch von Konflikten geprägt, insbesondere vom Bayerischen Erbfolgekrieg (1778/79), der aus seinen territorialpolitischen Plänen resultierte. Innenpolitisch blieb seine Herrschaft durch Reformansätze gekennzeichnet, die jedoch häufig auf Widerstände der bayerischen Stände stießen.
Karl Theodor gilt heute als ambivalente Gestalt der deutschen Geschichte: weniger als erfolgreicher Machtpolitiker, jedoch als bedeutender Kultur- und Wissenschaftsförderer der Spätaufklärung, dessen Wirken nachhaltige Impulse für die Entwicklung wissenschaftlicher Institutionen im süddeutschen Raum setzte.