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Rudolf Virchow

Theodor Mommsen

Abgangszeugnis

Ort: Berlin

Datum: 13. Oktober 1880

Artikelnummer: KKS202501310

800,00 €
Preis Differenzbesteuert n. § 25a UStG. inkl. 19% MwSt. - zzgl. Versand
Stk

Inhalt

Abgangszeugnis für das Medizinstudium des Hermann Rüter, das von den Universitätsgrößen Rudolf Virchow, Theodor Mommsen, Wilhelm Wattenbach und Karl Bruns unterzeichnet ist. Mommsen, Bruns und Wattenbach unterzeichnen in Vertretung.

Maße

Das Blatt misst ca. 34,0 x 22,0 cm.

Zustand

Die Schrift in brauner Tinte gut lesbar und erhalten. Die Bögen mittig horizontal gefalzt, gebräunt und griffspurig, blass stockfleckig, etwas angeschmutzt, in den Kanten bestoßen, hier kleine Einrisse. Dem Alter entsprechend gut erhalten.

Provenienz

Aus Berliner Privatbesitz.

Rudolf Ludwig Karl Virchow (1821 in Schivelbein, Pommern, 1902 in Berlin) war ein deutscher Pathologe, Anthropologe, Prähistoriker, Politiker und einer der bedeutendsten Mediziner des 19. Jahrhunderts. Nach dem Studium der Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (1839–1843) wurde Virchow 1843 promoviert und arbeitete zunächst als Assistent bei Johannes Müller am Anatomischen Institut. 1847 habilitierte er sich für Pathologische Anatomie und wurde im selben Jahr Mitbegründer der „Gesellschaft für wissenschaftliche Medizin“ sowie Mitredakteur der Zeitschrift „Archiv für pathologische Anatomie und Physiologie und für klinische Medizin“ (später: Virchows Archiv). Virchow gilt als Begründer der Zellularpathologie. In seiner 1858 publizierten Schrift „Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre“ formulierte er die zentrale These „Omnis cellula e cellula“, womit er die bis dahin dominierende Humoralpathologie ablöste und das Verständnis von Krankheit auf zelluläre Prozesse gründete. Seine Arbeiten legten das Fundament für die moderne pathologische Anatomie und experimentelle Medizin. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Virchow ein bedeutender Vertreter der Sozialmedizin. Er verband medizinische Erkenntnisse mit sozialpolitischen Forderungen und betrachtete Krankheiten im Kontext gesellschaftlicher Lebensbedingungen. Seine Untersuchung der Typhusepidemie in Oberschlesien (1848) gilt als ein frühes Beispiel für sozialhygienische Epidemiologie. Von 1856 bis zu seinem Tod war Virchow Direktor des Pathologischen Instituts der Charité in Berlin. Er war ferner Mitbegründer der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (1869) und wirkte an der Institutionalisierung der prähistorischen Forschung in Deutschland mit. Als Abgeordneter des Preußischen Landtags (1861–1902) und des Deutschen Reichstags (1880–1893) engagierte sich Virchow für Reformen im Bildungswesen, im Gesundheitswesen und in der kommunalen Selbstverwaltung. Rudolf Virchows wissenschaftliches und politisches Wirken prägte das medizinische, hygienische und gesellschaftliche Denken des 19. Jahrhunderts nachhaltig.

Christian Matthias Theodor Mommsen (geboren 1817 in Garding/ Schlesien, gestorben 1903 in Berlin) war ein deutscher Althistoriker, Jurist, Epigraphiker, Publizist und Politiker und gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Mommsen studierte von 1838 bis 1843 Rechtswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er 1843 mit einer Arbeit zur römischen Rechtsgeschichte promoviert wurde. Nach Studienaufenthalten in Italien (1844–1847) wurde er 1848 Professor für Römisches Recht an der Universität Leipzig, 1852 an der Universität Zürich, und 1854 an der Universität Breslau. Ab 1858 lehrte er als Professor für Römische Geschichte an der Universität Berlin, wo er bis zu seinem Tod wirkte. Zentral für Mommsens wissenschaftliches Werk ist die „Römische Geschichte“ (Römische Geschichte, 3 Bände, 1854–1856), für die ihm 1902 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde – als Anerkennung für die „größte Leistung eines Historikers als Schriftsteller“. Dieses Werk gilt bis heute als stilistisch und methodisch herausragende Synthese von philologischer Präzision und historischer Darstellungskraft. Als Leiter und Herausgeber der „Corpus Inscriptionum Latinarum“ (CIL), eines systematischen Sammelwerks lateinischer Inschriften, schuf Mommsen die Grundlage der modernen Epigraphik und trug wesentlich zur empirischen Erforschung der römischen Geschichte und Verwaltung bei. Seine Editionen römischer Rechtsquellen, insbesondere des Corpus Iuris Romani Antiqui (1860), gehören zu den Standardwerken der Altertumswissenschaft. Neben seiner akademischen Tätigkeit war Mommsen politisch aktiv. Er engagierte sich in der Paulskirchenbewegung von 1848, war Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (1873–1879) und des Deutschen Reichstags (1881–1884) für die Deutsche Fortschrittspartei, wo er liberale und antinationalistische Positionen vertrat. Mommsens wissenschaftliches Werk zeichnet sich durch methodische Strenge, empirische Quellenarbeit und eine Verbindung von Rechtsgeschichte und Geschichtswissenschaft aus. Er gilt als Mitbegründer der modernen Altertumswissenschaft und als Wegbereiter der historischen Quellenkritik.

Wilhelm Wattenbach 8geboren 1819 in Rantzau, gestorben 1897 in Heidelberg) war ein deutscher Historiker, Diplomatiker und Paläograph, der maßgeblich zur Erschließung mittelalterlicher Quellen und zur Ausbildung der historischen Hilfswissenschaften im 19. Jahrhundert beitrug. Wattenbach studierte von 1838 bis 1843 an der Universität Bonn sowie an der Universität Berlin Geschichte und klassische Philologie. Zu seinen Lehrern zählten unter anderem Leopold von Ranke und August Böckh, deren methodischer Einfluss seine spätere Quellenorientierung prägte. Nach Tätigkeiten im Archivwesen und im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica (MGH), deren Mitarbeiter er ab 1843 war, entwickelte er sich zu einem der führenden Kenner mittelalterlicher Schriftquellen. Im Jahr 1855 wurde Wattenbach als Professor für Geschichte an die Universität Breslau berufen, 1872 wechselte er an die Universität Heidelberg, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Sein wissenschaftliches Werk konzentrierte sich auf die Paläographie, Diplomatik und Quellenkunde des Mittelalters. Von grundlegender Bedeutung sind insbesondere seine Arbeiten „Anleitung zur lateinischen Paläographie“ (1. Aufl. 1869) und „Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts“ (1. Aufl. 1858), die über Jahrzehnte als Standardwerke der historischen Hilfswissenschaften galten und mehrfach neu aufgelegt wurden. Wattenbach verband philologische Genauigkeit mit methodischer Systematik und trug wesentlich zur Institutionalisierung der Quellenkritik als Kernkompetenz der Geschichtswissenschaft bei. Seine Arbeit innerhalb der MGH prägte die Editionstechnik und Quellensicherung nachhaltig. Er war Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften, darunter der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, und galt als Autorität auf dem Gebiet der mittelalterlichen Schrift- und Urkundenkunde.

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